Alltag als slow family

Buchvorstellung & Interview // Als ich im Januar letzten Jahres meinen Blog yourSlifestyle ins Leben gerufen habe, schenkte mir eine liebe Freundin einige Wochen später den Familienratgeber Slow Family. Ein Geschenk, das thematisch den Nagel voll auf den Kopf getroffen hat. Daher war es über viele Tage meine Lieblingslektüre, die ich abends auf der Couch immer gerne zur Hand genommen habe.

Die Autorinnen Julia Dibbern und Nicola Schmidt nehmen sich des Themas „Slow Family“ darin sehr hingebungsvoll an. Aus ihren persönlichen Erfahrungen als Mütter schildern sie wie es möglich ist, den Alltag zwischen Kindern, Beruf, Partnerschaft und den eigenen Bedürfnissen stressfreier und achtsamer zu gestalten.

Slow Family – achtsamer Einklang aus Familienleben & Alltag 

Mit zahlreichen Tipps zeigen die beiden in ihrem Buch mögliche Wege und Haltungen auf, die Familien als Anregung dienen können, um mehr Entschleunigung ins eigene Familienleben zu bringen.

Beeinflusst vom Unerzogen-Ansatz, beschreiben die zwei, dass jedes Kind eine persönliche Kompetenz hat, die es ihm ermöglicht genau zu wissen, was ihm gerade gut tut. Was es spielen möchte, wann es Hunger hat, wann es müde ist oder, oder, oder.

Das alleine reicht jedoch nicht aus. Denn gleichzeitig brauchen Kinder – je nach Entwicklungsphase – manchmal noch ein wenig Hilfe, um die eigenen Bedürfnisse ganz alleine zu regeln bzw. sich derer bewusst zu werden. Und das ist unsere Aufgabe als Eltern.

Um dieses Miteinander zwischen Eltern und Kindern so entspannt wie möglich zu gestalten, findet der Leser in Slow Family zahlreiche Hilfestellungen. Zum Beispiel Rituale für das Zähneputzen, Ideen für kleine Aufträge, die Kinder übernehmen können, bis hin zu einem bunten Sammelsurium an Draußen- oder Schlecht-Wetter-Aktivitäten.

Tipps und Inspirationen 

Neben den Tipps für den Umgang mit Kindern gibt es auch sehr wertvolle Inspirationen für uns Eltern.

Eine davon heißt: Prioritäten setzen. Denn nur wenn ich selber weiß, wie meine persönlichen Werte aussehen, habe ich auch einen Fixpunkt an dem ich mich orientieren und mein Leben und das meiner Familie ausrichten kann.
Ein anderer – und das ist mein persönlicher Favorit – ist der „Den Jeden-Tag-ein-kleines-bisschen-Effekt“. Gerade für die Perfektionisten unter uns ist er besonders wertvoll. Denn große Aufgaben, die wir uns vornehmen, müssen nicht immer sofort und Gänze erledigt werden. Und perfekt sein müssen sie schon mal gleich gar nicht. Das Anfangen und das dran bleiben zählt, dann schafft man auch jeden Tag ein kleines bisschen von der großen Aufgabe.

Mit solchen und vielen anderen Ideen führen die Schriftstellerinnen durch das Buch – immer wieder begleitet durch persönliche Erfahrungen, die die Lektüre wunderbar nahbar und echt werden lassen.

Und eingebettet ist das Ganze in die „Sieben Zutaten“, die es aus Sicht von Julia Dibbern und Nicola Schmidt braucht, um ein einfaches Leben mit Kindern zu führen. Lasst Euch einfach bei Lesen von Ihnen begeistern.
Aus meiner Sicht ein lesenswertes Buch für alle Eltern, die auf der Suche nach mehr Zeit und Qualität im Familienalltag sind.

Ganz besonders freut es mich daher, dass ich Julia Dibbern und Nicola Schmidt für ein Interview gewinnen konnten. Denn nachdem ich das Buch gelesen hatte, kamen noch einige Fragen hoch, die ich den beiden nun stellen kann:

1) Gelingt es Ihnen dem Nordstern aus Slow Family – also einem langsam, achtsamen, echten Lebenswandel – immer zu folgen. Oder gab es auch schon mal Phasen, in denen Sie  selber vom Weg abgekommen sind? Sich neu orientieren mussten? Und wenn ja, wie haben Sie diese Phasen gemeistert?

Julia: Das Leben wäre sehr seltsam ohne Aufs und Abs – natürlich hatten auch wir Phasen, in denen das alles ein wenig zu schnell für uns war.
Zum Beispiel, als wir gemeinsam das Artgerecht-Projekt aus der Taufe gehoben haben, das Nicola jetzt allein weiterführt. Da gab es Zeiten, in denen wir vor lauter Enthusiasmus und Liebe zur Arbeit kaum geschlafen haben – schließlich hatten wir ja auch noch ein Familienleben. Irgendwann kam der Punkt, an dem wir klar gesagt haben: So geht es nicht weiter. Ab sofort sind Wochenenden Wochenenden. Arbeitsverbot. Keine Telefonate, keine Mails, keine WhatsApps. Pause. Wald. Atmen.

2) Wie schafften Sie es ganz persönlich, mit stressigen Tagen im Alltag umzugehen und innerlich wieder zur Ruhe zu kommen? Haben Sie bestimmt Rituale oder ähnliches?

Nicola: Atmen, Erden. Im Ernst: Laufen gehen hilft mir persönlich sehr, ansonsten wirklich Füße spüren, Erde spüren, mich fragen, was gerade wichtig ist. Hab ich von Julia gelernt!

Julia: Achtsamkeit hilft. Einen Schritt zurücktreten und fragen: Ist das jetzt wirklich wichtig? Wird die Welt aufhören, sich zu drehen, wenn ich all das, wasich mir vorgenommen habe, nicht sofort erledige?

3) Glauben Sie, dass der Trend hin zu mehr „Slow Life und Achtsamkeit im Leben“ in unserer hektischen, immer digitaler und schneller werdenden Welt anhält und sogar noch größer wird?

Julia: Die Welt ist immer nur so schnell, wie wir ihr erlauben zu sein. Ich glaube, der Trend wird wachsen, einfach um ein Gegengewicht zu bilden zu dem, was viele als „schnell“ oder „stressig“ wahrnehmen. Ich sehe eine sehr feine Zukunft, mit viel individuellen Möglichkeiten. 

Herzlichen Dank, für die vielen Einblicke und wie ich meinen Alltag mit Kindern im Slow Mode lebe, das lest ihr hier.