Minimalismus, Muttersein, Entschleunigung, Lebenswandel, darum geht es auf „langsam.achtsam.echt“ dem Insta-Blog von Anna. Mit yourSlifestyle spricht sie darüber, was einen langsamen Lebensstil ausmacht, wie es sich mit Kindern am entspanntesten reist und warum es wichtig ist, in der heutigen Zeit einen Clan zu haben.

Was bedeutet für Dich ‚Slow Lifestyle‘ und wie lebst Du ihn mit Deiner Familie?

Ich habe das Gefühl, dass das Leben an mir vorbei rast, seit ich Kinder habe. Gerade noch waren sie Babys und jetzt reden sie in vollständigen Sätzen, rennen um die Wette und ziehen sich (meistens) alleine an. Beim ersten Kind war ich noch jedes Mal gespannt auf den nächsten Entwicklungsschritt und erwartete ihn unruhig. Schwierige Phasen ließen mich schnell an meinen eigenen Fähigkeiten zweifeln. Beim zweiten Kind habe ich weniger gewartet und mehr beobachtet. Ich wusste, wie kurz die Zeit ist, in der uns unsere Babys so sehr brauchen, und dieses Wissen hat mir sehr viel innere Ruhe gegeben. Die zweite Tochter war in ihrer motorischen Entwicklung langsamer als die erste, aber ich hatte mehr Vertrauen in sie und in mich selbst.

Das erste Jahr mit beiden war trotzdem ziemlich schwierig und ich bin kaum dazu gekommen, einmal durchzuatmen. Nun ist es deutlich entspannter, die Kinder spielen sehr viel miteinander und ich habe Zeit. Zeit, die Kinder morgens noch eine halbe Stunde spielen zu lassen, bevor wir in den Kindergarten fahren. Zeit, die beiden einfach zu beobachten. Zeit, um viel mit ihnen nach draußen zu gehen, vorzulesen, zu basteln und zu kuscheln. Zeit, auf all die “Warum”-Fragen eine Antwort zu geben.
Ich habe mich dazu entschieden, vor der Schulzeit keine festen Nachmittagsangebote zu buchen. Wir gehen freitags mit Freunden in den Wald und ich kenne die offenen Angebote in unserer Gegend und nehme sie gerne wahr, aber wir haben keine Verpflichtungen. Manchmal frage ich mich, ob ich gerade meiner Großen damit nicht Chancen nehme, aber dann sehe ich sie herumrennen, auf ihrem Fahrrad flitzen und auf Bäume klettern und ich weiß, dass die Natur sie genug fördert.
Mir ist bewusst, was für ein Luxus es ist, den halben Tag mit den Kindern verbringen zu können, Aber genau das macht für mich einen langsamen Lebensstil aus: Viel Zeit, viel Ruhe, viel Freiheit, viel Natur.

Wie schaffst Du es als zweifache Mutter, Dir im Alltag achtsame Momente zu schaffen und Dir persönliche Auszeiten zu nehmen?

Das ist eine gute Frage, die ich mir selbst auch immer wieder stelle ;). Seit kurzem stehe ich morgens wieder um 6 Uhr auf. Die Kinder schlafen dann meistens noch eine halbe bis ganze

Stunde, sodass ich Zeit für ein kleines Workout, Meditation und ein gutes Buch habe. Den Vormittag verbringen sie im Kindergarten, während ich so effizient wie möglich all das zu schaffen versuche, was ansteht. Trotzdem versuche ich, ab und zu mit der Nachbarin, die gerade ein Baby bekommen hat, Kaffeetrinken oder Mittagessen zu gehen.

Wenn ich mich mit dem Rad auf den Weg in die Kita mache, um die Kinder abzuholen, höre ich dabei Musik und versuche, die Arbeit zu vergessen.
Meine Kinder sind mittlerweile groß genug, dass sie nicht jede Minute meine Aufmerksamkeit brauchen. Am Nachmittag nehme ich mir immer wieder Auszeiten und setze mich mit einem Buch an die Seite, während die Kinder spielen.
Abends haben wir häufig Freunde zum Essen da und wechseln uns mit dem Kochen ab. Und wenn die Kinder schlafen, mache ich ein wenig Yoga, schaue in Ruhe eine Serie oder lese ein Buch.

Was bedeutet Reisen für Dich? Würdest Du es als Deine Quelle der Kraft und Ruhe bezeichnen?

Ich reise unglaublich gerne. Ich liebe den Klang fremder Sprachen, ich beobachte gern und ich unterhalte mich gern mit Menschen aus anderen Ländern über Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Wir können so viel voneinander lernen! Reisen inspiriert mich.

Trotzdem würde ich nicht sagen, dass ich aus dem Reisen meine Kraft und Ruhe bekomme. Reisen mit zwei Kindern kann ziemlich anstrengend sein, genau wie der Alltag zu Hause auch. Meine Quelle der Ruhe kommt aus mir selbst. Ich sage mir immer wieder, dass ich durch das Leben hetzen und mich von Kleinigkeiten stressen lassen kann – oder einfach versuchen kann, das hinzunehmen, was ich nicht ändern kann und den Rest zu genießen.

Mit Deinen Kids bist Du schon einige alleine und auch über mehrere Wochen hinweg verreist. Wie hast Du es geschafft, Eure verschiedenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen und trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen für Euch alle eine entspannte Zeit zu haben?

Ich glaube, dass es mit kleinen Kindern gar keine andere Möglichkeit gibt, als sich ihrer Geschwindigkeit anzupassen. Auch auf Reisen. Wir haben viele verschiedene Arten von Reisen gemacht und die ideale Form habe ich auch noch lange nicht gefunden. Wichtig fand ich es aber, immer dann Pausen machen zu können, wenn wir es brauchten. Die schönsten Erlebnisse hatten wir mit anderen Menschen zusammen und in der Natur. Ich bin ein großer Fan von Couchsurfing, bei dem man in der Wohnung von Einheimischen unterkommt und mit ihnen zusammenlebt und Dinge unternimmt. Auf diese Weise haben wir schon ganz wundervolle Menschen kennengelernt, die Kinder haben sofort miteinander Freundschaft geschlossen und ich konnte mich zurücklehnen und ihnen zuschauen.

Beim Zelten habe ich immer darauf geachtet, Wasser in der Nähe zu haben. Das Wetter war meistens gut und ich habe ganze Tage lang in der Sonne gelegen, während die Kinder im See geplanscht und gespielt haben. Gefühlt haben wir immer zu wenig Zeit und unsere Leben wird von Hektik bestimmt.

Waswürdest Du den Lesern raten, um mit ihrem persönlichen Slow Lifestyle zu beginnen? 

Baut euch ein Netzwerk, einen Clan auf! In unserer hektischen Welt haben wir kaum Möglichkeit, ohne Unterstützung Luft holen zu können. Egal ob ihr Kinder habt oder nicht, es ist so toll, nicht allein zu Abend essen zu müssen, eine Suppe vorbeigebracht zu bekommen, wenn man krank ist oder nicht noch mal loslaufen zu müssen (oder doppelt so viel im Späti zu bezahlen), wenn man eigentlich nur ein Päckchen Backpulver braucht. Besonders mit Kindern verändert es alles, ein gutes Netzwerk zu haben.

Mir persönlich hilft es sehr, meine Zeit und die Aufgaben, die ich erledigen will, gut zu planen und zu priorisieren. Es ist sinnvoller, am Tag drei sehr wichtige Dinge erledigt zu haben als zehn, von denen ich nicht einmal weiß, wie viel Auswirkung sie haben. Was mir auf jeden Fall noch hilft, ist Dinge zu reduzieren (abgesehen von Büchern). Je weniger wir besitzen, desto weniger kann herumfliegen, kaputt oder dreckig werden. In einem aufgeräumten, minimalistischen Umfeld bin ich ruhiger und kann besser denken.

Aber das Wichtigste ist, sich Zeit zu nehmen für das, was einem wichtig ist. Wir haben immer die gleiche Zeit, und wir haben es in der Hand, wie wir sie nutzen.


Liebe Anna, vielen Dank in diesen Einblick in Dein langsames, achtsames Leben. Ich fand es sehr, sehr spannend und konnte die ein und andere Anregung mitnehmen.