Im neuesten Interview auf yourslifestyle nimmt uns Wiebke von mommindful mit in Ihren Alltag. Sie ist Mutter, Frau und Künstlerin. Und wir tauchen ein in ihr Leben aus Herzkino, Kreativität, Alltagsrituale und einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Lasst Euch überraschen.

1. Wie lebst Du Deinen „Slow Lifestyle“ im Alltag mit Familie und Beruf?

Ich habe schon vor längerem mit meinem Mann beschlossen, dass ich mit der Geburt unseres zweiten Kindes vorläufig nicht mehr arbeiten gehen werde.
Die Kinder im Alltag zu begleiten ist mir sehr wichtig – ich möchte unterstützen und die Kinder Kind sein lassen können.

Im turbulenten Familienalltag achte ich auf eine gute Planung, die Wegezeiten und kleine Katastrophen mit einschließt. Ich stehe morgens schon sehr früh auf – denn mir ist wichtig, dass die Kinder mit einer guten Vorbereitung und ohne Zeitdruck in den Tag kommen.
Überhaupt sind Vorbereitung und Rituale sehr wichtig im stressfreien Leben mit Kindern. Das gibt Sicherheit und die Kinder können sich darauf verlassen, alles zu schaffen – auch wenn’s mal hektisch wird. So läuft z.B. unser Abend immer gleich ab: wir essen gemeinsam und danach lese ich für alle Kinder vor. Da wir keinen Fernseher haben (und ich auch der Meinung bin, dass Fernsehen insbesondere vor dem Schlafengehen nicht gut ist), sorge ich mit schönen Büchern für Kopf- und Herzkino.

2. Du sprichst auf Deiner Website vom Fokus der Achtsamkeit. Welchen Stellenwert hat Achtsamkeit für Dich und wie gelingt es Dir achtsam mit Dir und Deiner Umwelt zu sein?

Bedingt durch meine chronische Erkrankung muss ich sehr gut auf mich aufpassen. Ich muss kleinste Zeichen der Erschöpfung frühzeitig wahrnehmen und Verständnis mit mir haben, wenn ich nicht so kann, wie ich eigentlich möchte.
Das ist oft frustrierend, aber ich habe gelernt, meinen Weg einfach in kleineren Schritten zu gehen und mir auch mal Hilfe zu holen. Kleine Pausen tagsüber, gutes und nährendes Essen unterstützen mich in meinem aufregenden Vollzeitmama-Alltag.

‚Umwelt‘ bedeutet für mich im ersten Gedankengang: meine Mitmenschen.
Hier beobachte ich z.B. oft meine Gedankengänge, denn während eines Gespräches zischen ja meistens schon tausende bewertende (!) Gedanken durch den Kopf. Hier ist es mir wichtig, nicht diesen Gedanken zu folgen, sondern beim Gegenüber zu bleiben. Ich versuche außerdem aufmerksam im Umgang mit anderen zu bleiben und nicht die ‚Alltags-Scheuklappen‘ zu tragen: ein nettes Wort mit der Kassiererin, einer alten Dame über die Straße geholfen zu haben – das sind die kleinen Dinge, die meinen Tag erfüllen.

Weil meine ‚Umwelt‘ aber nicht nur aus Menschen und Begegnungen besteht, sondern auch aus Natur und Tieren, pflege ich auch hier einen aufmerksamen Lebensstil.

Wir üben uns in Müllvermeidung, Stromsparen und dem sorgsamen Umgang mit Tieren und Pflanzen. Selbstverständlich ist es für uns, Bio-Waren den ’normalen‘ Waren zu bevorzugen und unseren Fleischkonsum innerhalb der Familie auf ein Minimum zu beschränken. Ich spreche auch oft mit den Kindern über die verantwortungsbewusste Haltung von Nutztieren und scheue mich auch nicht, mit ihnen über die eklatanten Nachteile der industriellen Lebensmittelerzeugung zu sprechen.

3. Gibt es in Deinem Leben Alltagsrituale, die Du regelmäßig durchführst, um Oasen der Ruhe in Dein Leben zu bringen?

Ich baue in meinen wöchentlichen Alltag immer kleine Achtsamkeitsrituale ein: montags räuchere ich zum Beispiel. Hier lasse ich die alte Woche gehen und schaffe Platz für Neues. Freitags gehört wiederum meinem guten Freund Lord Ganesh! Hier überlege ich, was in der vergangenen Woche mein Hindernis war und wie ich es überwinden konnte. Über den Tag verteilt mache ich oft kleinere Pausen mit Meditationen. Das hilft mir, nicht hektisch zu werden und bei mir zu bleiben.
Denn wenn ich unruhig werde, weil mein Kopf woanders ist, überträgt sich das natürlich automatisch auf meine Mitmenschen – insbesondere meine Kinder.
Bei Autofahrten höre ich z.B. Mantra-Musik. Das beruhigt meinen Kopf und mein Herz füllt sich mit Stolz, wenn meine Kinder alle ‚meine‘ Mantren mitsingen können. 

4. Du fertigst wunderbare Mala Ketten und Armbänder an. Welche Bedeutung hat Kreativität und Gestalten für Dich? Ist das für Dich auch eine Form der Achtsamkeit?

Beim Fertigen der Malas achte ich auf absolute Ruhe. D.h. ich NEHME mir Zeit, um mich ganz dieser Aufgabe zu widmen und sorge für ein Zeitfenster, in dem ich ungestört bin.
Egal, ob ich individuelle Malas anfertige oder eine frei gestaltete Ketten knote – ich lasse mich immer von meiner Intuition leiten. Hierbei singe ich Mantren und versinke ganz in das, was ich gerade in den Händen halte. Manchmal brauche ich zwei oder drei Tage, bis ich mit einem Auftrag beginnen kann, denn mir ist es wichtig, dass ich mich vollkommen auf mein Tun einlassen kann und ich nicht ’nebenher‘ arbeite.

Meine Kunden schätzen das sehr und wissen, dass ich mich gänzlich meiner Tätigkeit hingebe – und nicht zuletzt lassen viele ihre Mala mit ihrem persönlichen Mantra anfertigen, welches ich bei der Arbeit spreche. Meine Kreativität kann sich nur ausdrücken, wenn ich ihr genügend Raum gewähre und das Gestalten ist für mich eine Art heilige Handlung, mit der ich meine Achtsamkeit an andere weitergebe.

Vielen Dank für diesen Einblick, der uns zahlreiche Ideen und Inspirationen schenkt, von denen wir sicherlich auch die ein und andere für uns mitnehmen können.