Gerade die Mamis unter Euch wird dieses Interview interessieren. Denn es geht um die Frage, wie man als ein- oder mehrfache, berufstätige Mami trotzdem oder vielleicht auch grade deswegen entschleunigt und bewusst leben kann?

Und dass das „Frau“ schon vor ganz besondere Herausforderungen stellen kann, weiß ich nur zu gut. Denn als Mutter zweier Jungs kenne ich den Stretch zwischen morgendlicher Hektik beim kollektiven Fertigmachen, dem Pendeln zwischen Kita und Büro, dem Nachmittagsprogramm aus Verabredungen und Hobbies und dem Bedürfnis nach „Zeit mal nur für mich alleine und meinen Partner“ nur zu gut.

Daher freue ich mich ganz besonders, dass heute Nadja Luge, zweifache Mami, berufstätig und Gründerin des Blogs „Mama im Spagat“ heute aus dem Nähkästchen plaudert und uns erzählt, wie sie es in ihrem bewegten, turbulenten und durchgetakteten Alltag hinbekommt, sich auch noch ein bisschen Slow Life zu bewahren.

1. Was bedeutet für Dich ‚Slow Lifestyle‘?

Für mich bedeutet Slow Lifestyle, so oft wie möglich im stressigen Alltag als Mama im Spagat zwischen Familie und Beruf inne zu halten. Sich selbst immer wieder dazu aufzufordern, langsam zu machen und das Leben bewusst wahr zu nehmen. Meine Kinder helfen mir zum Glück, langsamer zu machen. Denn sie sind es, die von mir immer wieder mehr Zeit einfordern. Zeit, um sich in Ruhe anzuziehen, Zeit, um Steine zu sammeln, Zeit, um Ameisen zu beobachten usw. Um diese Achtsamkeit beneide ich meine Kinder sogar ab und an.

2. Warum hast Du Dich dafür entschieden einen ‚Slow Lifestyle‘ in Dein Leben, Deinen Alltag zu integrieren? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Ja, meine Kinder ;-). Ich habe durch sie im Laufe der Zeit gemerkt, dass ich zu schnell durch‘s Leben renne. Sie haben mir gezeigt, wie schön es ist, öfter stehen zu bleiben. Es sind die ganz alltäglichen Dinge, die es Wert sind zu genießen und fest zu halten. Nach meiner ersten Elternzeit war ich beim Vereinbaren von Familie und Beruf ziemlich unter Druck. Ich wollte alles perfekt machen und im Job beweisen, dass ich auch als Mama viel leisten kann. Doch die zahlreichen schlaflosen Nächte und die vielen Verpflichtungen brachten mich an meine Grenzen. Ich fühlte mich oft ausgepowert und überfordert. Dank eines sehr guten Seminars zum Thema Stressmanagement wurde mir erstmals bewusst, dass ich mich selbst zu sehr unter Druck setze! Während meiner zweiten Schwangerschaft habe ich dann das Autogene Training erlernt und es so geschafft, mich regelmäßig selbst zu „stoppen“. Das war auch sehr wichtig, denn mit dem zweiten Kind wurden die Herausforderungen ja nicht kleiner, aber ich war so besser gerüstet für das Leben als Zweifachmama.

3. Wie schaffst Du es als berufstätige Mutter, Dir im Alltag ruhige und achtsame Momente für Dich zu schaffen?

Ich nehme mir regelmäßig Auszeiten und versuche auch zusammen mit meinen Kindern achtsam durchs Leben zu gehen. Das bedeutet, dass wir in die Nachmittage und Wochenenden nicht allzu viele Termine packen. Das tut allen gut, nicht nur mir. Zudem habe ich zwischen der Arbeit und dem Abholen der Kinder von der Kita genügend Puffer eingeplant. So muss ich meist nicht von der Arbeit zur Kita hetzen. Auch nehme ich Dinge, die den Alltag vereinfachen gerne an. Wir lassen uns beispielsweise regelmäßig Lebensmittel liefern. Das spart unheimlich viel Zeit, die wir anders nutzen können.

4. Wir haben gefühlt immer zu wenig Zeit, was würdest Du den Lesern raten, um mit ihrem ganz persönlichen ‚Slow Lifestyle‘ zu beginnen?

Ganz, ganz wichtig ist es, sich bewusst zu werden, was einem wirklich wichtig ist und was man gerne tut! Wenn einem dies klar ist, kann man leichter und schneller entscheiden, was man nicht braucht, welche Termine man nicht wahrnehmen möchte und welche Aktivitäten man streichen kann. Wer gerade gar nicht so richtig weiß, was er wirklich will, kann sich auch von einem Coach helfen lassen. Auf meinem Blog stelle ich regelmäßig Mütter vor, die anderen Müttern helfen, wieder zu sich zu finden und entspannter den Spagat zwischen Familie und Beruf zu bewältigen.


Liebe Nadja, vielen Dank für den Einblick in Dein Leben als Mama im Spagat und Deine vielen Anregungen. In einigen kann ich mich schon wieder finden und andere nehme ich mir als wertvolle Inspiration in meinen eigenen Alltag mit, wie vielleicht auch einige andere Leser.

Hast Du auch noch hilfreiche Tipps für die Runde? Dann hinterlasse hier gerne einen Kommentar dazu.

 

Merken

Merken