Janette Wölwer

Ein stressiger Arbeitsalltag, nicht enden wollende Überstunden, Termindruck – viele von Euch kennen das sicherlich. Was bei diesem Lebenswandel oft zu kurz kommt, ist der Entspannungsfaktor. Dabei ist gerade der so wichtig, um den Stress besser handeln zu können. Häufig höre ich jedoch, dass neben Job, Familie & Co. einfach keine Zeit für entspannte Momente ist.

Doch ist das wirklich so?

Marketing-Expertin Janette Wölwer hat eine sehr fordernde Position in einer renommierten Werbeagentur und ist nebenbei als Entspannungstrainerin, Meditationslehrerin und Hypnose Coach tätig. Obwohl sie dadurch zeitlich eingespannt ist, schafft sie sich regelmäßige Oasen der Ruhe. Wie sie das genau hinbekommt erzählt sie mir in meinem Interview mit ihr.


1. Was bedeutet für Dich ‚slow Lifestyle‘?

Slow Lifestyle bedeutet für mich aktiv und bewusst die Geschwindigkeit in allen Lebensbereichen zu entschleunigen – privat und beruflich. Damit meine ich die Hektik in und um einen herum zu reduzieren; das Tempo zu drosseln – und zwar im besten Ausgleich zwischen Schnelligkeit und Langsamkeit. Am leichtesten fällt uns das, wenn wir dabei einige Schritte zurücktreten und uns und die Welt um uns herum beobachten.

Slow Lifestyle beschreibt für mich ein Leben, in dem man darauf vertraut, dass ein langsamer Rhythmus ein Qualitätsgewinn ist. Ein Leben, in dem man sich erlaubt, regelmäßig inne zu halten und das ‚Hier und Jetzt‘ wahrzunehmen. In dem man seinem Fokus auf das Wesentliche legt, um sich auf das zurückzubesinnen, was einem gut tut. Und: Um zu erkennen, wie man sein Leben wirklich gestalten möchte.

Um so ein entschleunigtes Leben zu führen, braucht man den Mut, sich von „höher, weiter, schneller“ zu distanzieren, bewusst kein Multitasking unter Beweis zu stellen und nicht allem und jedem gefallen zu wollen.

2. Warum hast Du Dich dafür entschieden einen ‚slow lifestyle‘ in Dein Leben, Deinen Alltag zu integrieren? Gab es einen bestimmten Auslöser?

Kaum eine Branche ist so schnelllebig wie die, in der ich seit Jahren hauptberuflich tätig bin: die Werbebranche. Seit dem Studium setze ich in großen Werbeagenturen Marketingmaßnahmen für anspruchsvolle Unternehmen um. Da geht es oft um superschnelles Leisten, Verkaufen, Messen, um harte Kennzahlen, Buzzwords und Awards. Und da kann es schnell passieren, dass man über seine Grenze geht, wenn man sich nicht bewusst ist, wo die Grenze beginnt.

Um in diesem kurzlebigen und dynamischen Umfeld mental und körperlich gesund zu bleiben, beschäftige ich mich seit 2014 mit verschiedenen Entspannungsverfahren. Auch, weil ich den Qualitäten wie Ausgeglichenheit und Authentizität immer mehr Bedeutung schenke. Außerdem ist es mir wichtig, mich nicht nur innerhalb der Marketingwelt zu bewegen, das wäre mir zu eindimensional.

Man kann sagen, das Achtsamkeit-Metier ist eigentlich total konträr zum Agenturalltag. Ich verstehe diesen Kontrast nicht als Spannung im Sinne von Kluft, sondern vielmehr als Erweiterung meines Horizontes. Seit dem ich erkannt habe, wie viel Potenzial Hypnose und Meditation  entfalten und welche inneren Ressourcen diese Methoden aktivieren können, liegt es mir am Herzen, meine Erfahrung in Form von modernen Entspannungsverfahren weiterzugeben – ob in Einzelsitzungen, Gruppenkursen, auf meiner Facebook-Seite oder meinem Podcast.

3. Wie schaffst Du es als Werberin und Entspannungstrainerin, Dir im Alltag ruhige und achtsame Momente für Dich zu schaffen?

Ich verbringe genauso gerne Zeit mit meiner Familie und Freunden als auch mit mir alleine. Und zwar regelmäßig beim Meditieren, beim Fitnesstraining oder meinen Hobbies. Dabei handelt es sich um ganz bewusst wahrgenommene Momente. Das kann auch mal nur das Autofahren sein. Manchmal gehen diese Augenblicke einen halben Tag, manchmal dauern sie nur wenige Minuten täglich. In diesen Momenten habe ich nicht den Anspruch erreichbar zu sein und immer sofort zu reagieren. Und sobald ich das Gefühl verspüre neue Energie tanken zu sollen, erlaube ich mir auch mal einen Mini-Kurzurlaub von 2, 3 Tagen. Das bringt mir mehr als zwei ganze Wochen am Stück zu verreisen.

Jeder ruhige und achtsame Moment kann Spannung lösen und Entspannung fördern. Und ich habe in der letzten Zeit festgestellt, dass ich in meinen eigenen Entspannungskursen, die ich leite, achtsam entspanne. Als Meditationslehrerin und Hypnose Coach leite ich Meditationen oder Trancereisen an und nehme logischerweise nicht an der Übung teil. Aber die Atmosphäre, die meine Teilnehmer und ich gemeinsam schaffen, ist immer eine sehr angenehm-ruhige, die sich auf uns alle überträgt. Hier merke ich, ich sende und empfange entspannende Momente gleichermaßen.

4. Wir haben gefühlt immer zu wenig Zeit, was würdest Du den Lesern raten, um mit ihrem ganz persönlichen ‚slow Lifestyle‘ zu beginnen?

Ich finde, sich bewusst zu werden, dass man einen oder vielleicht mehrere Gänge zurückschalten möchte, ist der erste Schritt in einen Slow Lifestyle.

Sobald diese Erkenntnis da ist, sollte man sich bewusst Zeit für sich nehmen und seine Bedürfnisse erkennen und diesen nachgehen. Statt in der Vergangenheit zu verharren oder mit der Zukunft beschäftigt zu sein, sollte man endlich in der Gegenwart am Leben teilnehmen. Das heißt auch sich folgendes zu fragen: Wie geht es mir jetzt? Worum geht es mir? In welcher Situation bin ich zurzeit? Dabei geht man in eine beobachtende Haltung, versucht die Perspektive zu verändern. Das kann einfacher gelingen, in dem man sich auch fragt, woher z. B. ein negativer Gedanke kommt und ob er vielleicht gar nichts mit der Realität zu tun hat. Oder indem man überlegt, für was man alles dankbar sein kann.

Am Anfang ist das neu und ungewohnt und vielleicht auch nicht ganz so bequem, so wie alles, das wir erst einmal lernen müssen. Schließlich erneuert man seine Wahrnehmung. Hier können Routinen den Veränderungsprozess vereinfachen.
Eine regelmäßige Meditationspraxis zum Beispiel kann dabei sehr unterstützend sein, auch weil sie Gelassenheit (der Schlüssel zum Leben, das man wirklich möchte) fördert. Mein Tipp für den Einstieg: Einfache Übungen, bei denen man sich auf den eigenen Atem konzentriert, ihn beobachtet ohne ihn zu verändern. Bei denen man Körperempfindungen oder Geräusche wahrnimmt, sie nur beschreibt ohne sie zu beurteilen.

Übrigens: Der richtige Zeitpunkt, um zu beginnen ist übrigens immer jetzt. In diesem Moment.


Mit diesem wunderbaren Abschluss bedanke ich mich ganz herzlich bei Janette für ihre zahlreichen Impulse und Anregungen, die zeigen, dass selbst in einem stressigen Arbeitsalltag Momente der Ruhe und Entspannung ihren Platz finden und das ist gut und wichtig.

Mehr über Janette Wölwer unter: www.janette-woelwer.de. Auf ihrer Facebook-Seite „Entspannungsverfahren“ veröffentlicht sie regelmäßig Tipps, Anleitungen und Inspirationen rund um das Thema „Entspannung“ und „Stressbewältigung“.

Wer sich mit dem Thema „Jetzt“ noch intensiver auseinander setzen möchte, für den ist  möglicherweise das Buch „Jetzt – Die Kraft der Gegenwart“ von Eckart Tolle die passende nächste Lektüre.


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