Jon Kabatt-Zinn – Begründer des Centers of Mindfullness und Entwickler des Achtsamkeitstrainings MBSR – spricht in diesem Interview über die ‚9 attitudes of mindfulness‘. Ein sehr inspirierendes Gespräch, das zeigt, mit welchen inneren Haltungen, Achtsamkeit in das tägliche Leben integriert werden kann.

‚Beginners Mind‘ – der Anfängergeist –  wird als erste Haltung angeführt. Er soll es ermöglichen, wie ein Kind jeden Moment als neu und unbekannt zu erfahren. Mit dieser Art von Geist wird die geschaffen, unsere Umwelt wertfrei zu erleben und Dinge zu sehen, die sonst vielleicht verborgen geblieben wären.

‚Non-Judging‘ – das ’nicht bewerten‘ von Situationen und Begegnungen ist eine weitere und sicherlich sehr herausforderende Haltung. Denn all das, was wir erleben, bewerten wir sofort, da wir auf bereits gemachte Erfahrungen zurück greifen an denen wir uns orientieren. Doch eventuell sind Menschen und Situationen gar nicht so, wie wir sie aufgrund bisheriger Erlebnisse bewerten. Deshalb sollen wir uns mit dieser Haltung immer häufiger darin üben, unsere Umwelt nicht zu bewerten, sondern sie so zu sehen wie sie ist.

Auch das ‚Annehmen‘ (Acceptance) gehört zu einem achtsamen Lebensstil. Es handelt sich hier um einen ‚aktiven Prozess‘, denn nicht alles was uns widerfährt ist schön und gut. Es passiert auch schlechtes, trauriges und ungerechtes und das müssen wir lernen anzunehmen, um besser damit umgehen zu können.

Eng damit verwoben ist das ‚Loslassen‘ (Letting Go). Denn meist wollen wir all das Positive in unserem Leben für immer festhalten und all das Negative am besten gar nicht haben. Doch beides ist Bestandteil unseres (Er)Lebens. Jon Kabatt-Zinn beschreibt den Sinn des Loslassens mit einem schönen Bild. Es ist wie beim Atmen, jeder genommenen Atemzug muss auch wieder losgelassen werden, denn nur so kann Raum für einen neuen Atemzug geschaffen werden.

‚Vertrauen‘ (Trust) ist ebenfalls eine lebenswerte Haltung, um Achtsamkeit zu leben. Idealerweise beginne wir damit direkt bei uns selbst und dem Vertrauen in uns unseren Körper und in das, was wir tun. Denn je mehr wir uns selber vertrauen, desto leichter wird es uns auch fallen, auf unsere Umwelt zu vertrauen.

Oft können wir es gar nicht erwarten, den nächsten schönen Moment im Leben zu erreichen. Doch ohne ‚Geduld‘ (Patience) verpassen wir auch die vielen anderen Momente, die auf dem Weg zu dem einen, ersehnten Moment sind. Dadurch sind wir immer ‚irgendwo‘, doch nie im ‚hier und jetzt‘ und bei uns.

‚Non-Striving‘ ist in unserer heutigen schnell lebigen Zeit sicherlich auch eine recht fordernden Haltung. Denn dieses ’nicht nach etwas Streben‘ tagtäglich umzusetzen, fällt schwer bei vollen To-Do-Listen und Terminkalendern. Es geht bei dieser Haltung auch nicht darum Aufgaben von der Agenda zu nehmen, sondern mehr darum, genau bei der Aufgabe zu sein, die wir gerade tun und nicht in Gedanken noch 10 andere im Hinterkop mitlaufen zu lassen.

Neben diesen sieben Haltungen, die Jon Kabatt-Zinn als wichtig für einen achtsamen Lebenswandel zählt er auch ‚Gratidtude‘ und ‚Generosity‘ dazu. Denn wir sollten, das was uns das Leben gibt nicht automatisch als selbstverständlich erachten und immer auch ein Stück weit dankbar für unsere Familie, unsere Gesundheit unseren Job und alles, was uns sonst noch wichtig ist. Und durch dieses Gefühl der ‚Dankbarkeit‘ wird uns bewusst, wie gut es uns geht und dass es Menschen in unserem Umfeld gibt, denen es möglicherweise gerade nicht so gut geht. Hier haben wir dann die Möglichkeit ‚Großzügigkeit‘ zu leben und etwas abzugeben, nicht, weil wir dafür gelobt werden wollen, sondern einfach nur, weil wir auch anderen eine Freunde machen möchten.

Vielleicht liest sich das alles sehr schwer auf einmal umsetzbar, doch es lohnt sich schon, mit einer der Haltungen anzufangen. Die anderen werden mit der Zeit ganz automatisch und in ihrem Tempo Stück für Stück dazu kommen.


Merken

Merken

Merken

Merken