beimirumdieecke

Regional und saisonal – diese beiden Begriffe prägen die Slow Food Bewegung, die in den letzten Jahren viel Zuspruch erfahren hat. Denn immer mehr Menschen legen immer größeren Wert auf qualitativ hochwertige Lebensmittel, die idealerweise nicht erst um die halbe Welt transportiert werden müssen, um bei uns auf dem Teller zu landen.

Doch meist ist das Problem kleinerer Anbieter, dass sie oft recht unbekannt sind, weil sie in ihre Produkte und nicht in teure Marketingaktivitäten oder einen Internetauftritt investieren.

Felix und Markus, die zwei Gründer von bei-mir-um-die-ecke.de haben sich dieses Themas angenommen und am 02.05.2017das Portal www.bei-mir-um-die-ecke.de gelauncht. Ein tolles Projekt wie ich finde, weil nun regionalen Manufakturen eine Plattform geboten wird, um sich zu präsentieren und noch mehr Menschen über die Vielfalt regionaler Produkte zu informieren. Eine echte Stärkung für das deutsche Lebensmittelhandwerk!

Deswegen freue ich mich auch sehr, dass ich die beiden Gründer für ein Interview gewinnen konnte. Wie es zu der Idee kam, was es auf bei-mir-um-die-ecke.de alles zu finden gibt und vieles mehr, das erfahrt Ihr jetzt.

1. Woher kam die Idee zu „direkt-um-die-Ecke.de?

Der allererste Gedanke kam uns, als wir unser kleines Kiezcafé in Berlin hatten. Wir waren auf der Suche nach handgemachten Leckereien aus der direkten Umgebung. Doch die Suche war sehr aufwendig. Wir liefen über Märkte und hörten uns bei Freunden und Bekannten um. Wir hatten wenig Zeit für eine solche Recherche und Übersichten im Internet gab es noch nicht. Diese hätten wir uns damals allerdings sehr gewünscht.

Ein paar Jahre später kam diese Idee wieder hoch und wir dachten, wenn dann richtig. Also überlegten wir uns, wie wir regionale Lebensmittel-Handwerker deutschlandweit präsentieren können. Daraus ist das Portal bei-mir-um-die-ecke.de entstanden.

2. Wie muss ich mir Euer Konzept vorstellen?

Bewerben sich die Manufakturen bei Euch oder geht Ihr aktiv auf die Suche nach neuen Anbietern?

Da gibt es verschiedene Wege. Viele Produzenten tragen sich selbst bei uns ein, was uns besonders freut. Parallel können uns unsere Besucher ganz einfach online auch Manufakturen vorschlagen. Denn wir haben unsere Augen und Ohren nicht überall in Deutschland. Für bestimmte Themen, über die wir redaktionell berichten, recherchieren wir aber auch selbst. Dann geht es entweder um bestimmte Regionen, in denen wir Lebensmittel-Handwerker vorstellen oder um Themen wie Honig, Kaffee, das Bäckereihandwerk oder auch um Essig. Im Mai 2017 sind wir mit 1.400 selbst recherchierten Produzenten gestartet. Inzwischen sind es über 3.600 Einträge. Die Resonanz ist ganz großartig.

3. Habt Ihr bestimmte Qualitätsanforderungen, die Ihr an die Manufakturen stellt?

Im Kern geht es um das Lebensmittel-Handwerk. Unsere Produzenten sind mit Leidenschaft und Handarbeit dabei. Natürlich freuen wir uns, wenn sie darüber hinaus auch auf ihre Zutaten achten und diese z.B. regional und auch saisonal beziehen.
Wir prüfen tatsächlich jeden Eintrag so gut es geht, telefonieren auch oft mit den Produzenten und schalten sie erst dann frei. Oft mussten wir Anfragen bereits ablehnen, da sie nicht zu uns gepasst haben. Auch wird es vorkommen, dass kleine Manufakturen wachsen und statt Handarbeit nur noch automatisierte Prozesse mit Maschinen einsetzen. Dann nehmen wir sie wieder raus. Dabei helfen uns auch unsere Besucher, die uns regelmäßig Änderungsvorschläge schicken und so unsere Einträge aktuell halten.

4. Verfolgt Ihr mit Eurem Portal einen persönlichen Traum oder eine Vision?

Wir haben eine Vision, ja. Einen Marktplatz für regionale Lebensmittel deutschlandweit zu schaffen. Auf dem die Produzenten selbst entscheiden können, was sie wann und zu welchem Preis verkaufen. Und das mit so wenig wie möglich Aufwand. Denn sie sollen sich auf ihr Produkt konzentrieren können und das machen, was ihre Leidenschaft ist: Das Herstellen von guten Lebensmitteln.

5. Wen möchtet Ihr mit „bei-mir-um-die Ecke.de“ erreichen?

Alle. Denn wir möchten das regionale Lebensmittel-Handwerk weiter in die Köpfe der Menschen bringen. Warum die Marmelade aus Frankreich im Supermarkt kaufen, wenn es in der eigenen Region selbstgemachte gibt? Die Vielfalt hierzulande ist riesig und es gibt fast alles auch handgemacht aus Deutschland. Und wer sich saisonal ernährt, der bringt auch kulinarische Abwechslung in sein Leben. Dabei möchten wir keinesfalls mit erhobenem Zeigefinder dastehen. Uns freut es, wenn unsere Besucher überhaupt mal sehen, wie viele Produzenten es in der eigenen Umgebung gibt.

6. Für alle, die es noch nicht wissen, wofür steht der Begriff Regionalbewegung und inwieweit setzt Ihr Euch dafür ein?

Der Begriff Regionalbewegung kommt nicht von uns. Es gibt einen Bundesverband, der sich damit beschäftigt. Er ruft z.B. jährlich den Tag der Regionen aus, an dem um die 1.000 Veranstaltungen stattfinden. Dieses Jahr sind wir offizieller Partner, was uns riesig freut. Der Bundesverband der Regionalbewegung e.V. setzt sich für eine erfolgreiche und nachhaltige Regionalentwicklung und der Stärkung ländlicher Räume ein. Das geht über die Nahversorgung mit Lebensmitteln hinaus. Wir setzen uns für das regionale Lebensmittel-Handwerk ein. Wir möchten den Produzenten mehr Präsenz verschaffen und den Menschen zeigen, wie viel Arbeit und auch Liebe in den verschiedenen Produkten steckt.

7. Was finden Eure Kunden neben den Manufakturen sonst noch so alles auf Eurer Website?

Wer auf unser Portal kommt, ist meist sehr überrascht, wie viele Manufakturen und Produzenten ihm auf der Karte in der direkten Umgebung angezeigt werden. Hinter jedem Eintrag steckt ein Profil der Lebensmittelhandwerker mit weiteren Informationen. Darüber hinaus stellen wir in unserem Blog viele dieser Menschen hinter den Produkten vor, berichten über kulinarische Aktionstage und Themen rund um regionale Lebensmittel. Wer sich für unseren Newsletter anmeldet, bekommt dazu Neuigkeiten aus der eigenen Regionen zugeschickt. Termine, Aktionen und neu eingetragene Produzenten – zugeschnitten anhand der eigenen Postleitzahl auf die eigene Umgebung.

8. Welches sind aktuell grade Eure Lieblingsmanufakturen und warum?

Das können wir gar nicht beantworten, denn wir lernen täglich neue Manufakturen kennen. Inzwischen haben wir über 3.600 auf unserer Plattform. Wir lieben Menschen wie die vom kleinen Hofladen Milbrodt, die mit so viel Leidenschaft dabei sind. Sie haben sich dem Kürbis verschrieben und zaubern von Wurst bis Aufstriche ganz tolle Produkte aus dieser Frucht. Auch bewundern wir die Arbeit von der Langhans Suppenmanufaktur, die hochwertige und handgemachte Suppen in Konservendosen verkaufen, da diese noch vor Glas am besten zu recyceln sind. Sebastian Benkhofer von Kaffeekultur versorgt uns mit viel Wissen rund um den Kaffee, genau wie Alexandra Brunhöber vom Bauernhof Direkt uns Antworten zum Thema Kartoffeln gibt. Jeder hat sein Gebiet und Können, das macht sehr viel Spaß und wir lernen immer wieder wahnsinnig viel Neues kennen.

Felix und Markus vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. Der Einblick in Euer tägliches Tun und die Idee hinter bei-mir-um-die-ecke.de war sehr spannend und lässt meine Begeisterung für regionale Hersteller nur noch größer werden. Vielleicht geht es dem ein und anderen Leser da draußen genauso.


 

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