Perfekt sein, alles richtig machen, bloß keine Schwächen zeigen. Solche und ähnliche Sätze geistern tagtäglich in unseren Gedanken herum. Warum eigentlich? Was ist so schlimm daran, auch mal Fehler zu machen? Und warum denken wir bei Dingen, die uns nicht so gut gelingen häufig sogar schlecht über uns?

Neulich habe ich genau das, bei mir selber erlebt. In Gedanken versunken hatte ich meinen Autoschlüssel verlegt und sofort ging der innere Dialog los: „War ja klar…, was musst Du auch zu unkonzentriert sein…, warum hast Du den Schlüssel nicht an den Ort gelegt an den er hingehört… und so weiter und so fort. Dieses Gespräch ging noch eine Weile hin und her und ich habe mich dann so über mich geärgert, dass es gefühlt eine halbe Ewigkeit gedauert hat, bis ich den Schlüssel dann endlich wieder gefunden hatte und los konnte.

Doch warum ist das so? Warum fällt es so schwer, sich selber Fehler zu erlauben? Und sich auch noch innerlich dafür zu rügen? Wäre es stattdessen nicht besser, mal drüber nachzudenken, warum es überhaupt dazu gekommen ist? Und welchen positiveren Weg es gäbe, in solchen Momenten über sich selber zu denken?

Stolpern und lernen statt kritisieren

Kinder sind da bei weitem noch nicht so kritisch mit sich selber. Sie sehen das „Stolpern und wieder Aufstehen“ vielmehr als Experimentierphase, als Lernprozess aus dem bei jedem Mal eine wertvolle Erfahrung mitgenommen werden kann.
Diese Betrachtungsweise geht dann (leider) irgendwann verloren, dabei ist sie – denke ich – um ein vielfaches gesünder als in kraftraubende Rechtfertigungen oder Selbstkritik zu verfallen. Denn irgendwie können Fehler viel leichter angenommen werden, wenn wir sehen, dass aus jedem einzelnen auch immer etwas gelernt werden kann und dass uns diese Erkenntnis an anderer Stelle wiederum weiterbringt.

Das Black Box Prinzip

Der britische Journalist Matthew Syed hat sogar ein ganzes Buch zu diesem Thema geschrieben (das „Black Box Prinzip“). Darin zeigt er auf, dass es Menschen gibt, die aus ihren Fehlern lernen können und andere wiederum nicht. Der entscheidende Unterschied beider Gruppen ist die Bewertung der Fehler. Die Menschen, die davon ausgehen, dass ihre persönliche Entwicklung ein Prozess des Übens und auch Scheiterns ist, sind Fehlern gegenüber generell positiver eingestellt.
Menschen, die hingegen glauben, dass Erfolg lediglich durch Talent und Intelligenz entsteht, fühlen sich durch ein Versagen oder Scheitern in Form von Fehlern eher bedroht. Denn damit schleicht sich der Gedanke ein, möglicherweise dumm oder unfähig zu sein.

Nachsichtig mit sich selber sein

Was heißt das jetzt in Zukunft für mich?

Vorsatz Nr. 1: Ich nehme mir für die nächste „Autoschlüssel-Situationen“ vor, innerlich bewusst nachsichtig mit mir selbst zu sein. Vielleicht in etwas so: „Ja, es ist umständlich jetzt erstmal suchen zu müssen. Doch hey, davon geht die Welt nun wirklich nicht unter und wenn ich ruhig drüber nachdenke fällt mir bestimmt auch ein, wo der Schlüssel liegt.“

Fühlt sich irgendwie schon beim Schreiben und Lesen gleich ganz anders an!

Vorsatz Nr. 2: Dinge bewusster tun. Statt mit tausend Gedanken und zu erledigenden ToDos im Kopf ins Haus zu kommen, an der Eingangstür einmal kurz sammeln, durchatmen, gelassen eintreten, mir die Zeit nehmen in Ruhe anzukommen, bevor ich mich dann wieder dem Gewusel der Gedanken oder auch meiner Kinder widmen kann.

Habt Ihr noch andere Ideen? Dann immer her damit – ich freue mich drauf.


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